„Nehmen Sie einfach einen vollen 20-Liter-Kanister in die Hand – und laufen Sie los …“

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“Was kommt nach Hamburg?” Viele Fragen mussten zwangsläufig offen bleiben. Die gute Nachricht des Thüringer GdP-Chefs Kai Christ zu G20 bei der dritten Aufage von “Talk im Prinz” in Wöhlsdorf vorweg: Einschlägig bekannte Thüringer Krawallos seien in Hamburg nicht gesichtet worden. Denn der Freistaat habe eine ”relativ friedliche Demo-Szene”. Bei denen, die in Hamburg auf kriminelle Weise Front gegen die Polizei gemacht hätten, habe es sich “nicht um Demonstranten, sondern um Gewalttäter” gehandelt, so Christ im Gespräch mit Hendrik Püschel. Gewalt, wie sie im Schanzenviertel vorkam, sei nicht zu tolerieren.

450 Thüringer Beamte (neben der Bereitschaftspolizei und Kripo-Beamten auch Spezialeinsatzkräfte) seien in Hamburg im Einsatz gewesen. Die Polizisten seien weit über übliche Zeiten hinaus belastet gewesen. “Jüngere Kollegen stecken das physisch sicher schnell weg. Anders sieht es bei der Psyche der Kollegen aus, für die zu wenige Pychologen da sind”, so der Polizeigewerkschafter.

Wie sieht die personelle Lage der Polizei derzeit im Freistaat aus: Vorsichtigen Schätzungen der GdP zufolge seien rund 5.800 Polizeivollzugsbeamte im Dienst, so Kai Christ. Davon auf der Straße für den Bürger wahrnehmbar rund 2.500 bis 3.000. Daraus resultiere leider, dass nach einem Notruf schon mal längere Zeit vergehen könne bis ein Streifenwagen vor Ort eintreffe. Exakte Interventionszeiten – im Gegensatz zum Rettungsdienst – gebe es für die Polizei allerdings bundesweit nicht.

Zu den Gewalttätern von Hamburg erläuterte Christ, der selbst vor Ort war: “Im Gegensatz zu Hooligans bei Fußballspielen haben wir hier keine spezielle Personendatei für gewaltbereite Demonstranten.” In vielerlei Hinsicht sei eine Aufbereitung der Hamburger Ereignisse nötig. Dafür brauche es aber auch Zeit. Warum nicht viele Gewalttäter in Hamburg gleich vor Ort gestellt werden konnten: “Man stelle sich vor, aus welcher Entfernung Gegenstände geworfen werden können. Und dann wird es selbst für einen durchtrainierten Beamten,der in einer 20 Kilo schweren Schutzausrüstung steckt, hinterherzusprinten. Nehmen Sie einfach einen vollen 20-Liter-Kanister in die Hand – und laufen Sie los …”

Ob es überzogene Reaktionen der Polizei auf die gewalttätigen Ausschreitungen gegeben habe? “Ich bin da sehr vorsichtig. Was bei Youtube oder Facebook in wenigen Sekunden zu sehen ist, zeigt nur einen Ausschnitt. Daraus lässt sich kein Gesamtbild zeichnen.” Es werde ermittelt und im Fall der Fälle walte eine unabhängige Justiz ihres Amtes: “So läuft der Rechtsstaat.” Das gelte auch für den Umstand, dass es für nicht wenige unverständlich sei, dass Gewalttäter auf freiem Fuß seien. “Wenn keine Haftgründe vorliegen, ist das so. Damit müssen auch Polizisten leben.”

In der weiteren Diskussion wurde von vielen konstatiert, dass angesichts von Gewalttaten kaum mehr jemand darüber rede, dass es einen mehrheitlich friedlichen Protest gegeben habe.
Viele “G20-Polizisten” mussten nach drei freien Tagen schon eine Woche später wieder ausrücken, dieses mal nach Themar zu einem RechtsRock-Konzert. Kai Christ: “Aus polizeilicher Sicht ist an diesem Einsatz nichts zu kritisieren.”

Die Frage, was sich die GdP von der Politik wünsche, blieb offen, da sie vom AfD-Bundestagskandidaten Prof. Michael Kaufmann gestellt wurde. Kai Christ verwies auf den Beschluss des GdP-Landesvorstands, mit der AfD in Thüringen nicht zu sprechen: “Da mache ich keine Ausnahme.” Gemischte Reaktionen waren die Folge. (Kommentar)

Foto: GdP-Chef Kai Christ im Gespräch mit Hendrik Püschel.