Linke: Stromtrassenplanung ist eine Zumutung

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„Kaum ist in Thüringen die 380-kV-Trasse in Betrieb, verkünden die nächsten Netzbetreiber wundersame Pläne für eine Stromtrasse, die zur neuerlichen Zerschneidung Thüringens führen würde.“ Als „unzumutbar“ bezeichnet Steffen Harzer, Energiepolitiker der Linksfraktion im Thüringer Landtag, das Vorhaben.

Der von Tennet geplante Korridor für die Verbindung von Itzehoe (Niedersachsen) nach Grafenrheinfeld (Bayern) und Heilbronn (Baden-Württemberg) soll als Erdverkabelung durch Thüringen geführt werden. Vorgesehen sind dazu derzeit Trassen durch den Hainich, die Rhön und den Thüringer Wald bei Eisenach. Für Tennet sei nur dieser Korridorzuschnitt möglich, da angeblich „großflächige Hindernisse auf den direkten Luftlinien beider Vorhaben liegen, die nicht oder nur mit hohen Auswirkungen auf Mensch und Natur gequert werden können. Bei der Verbindung nach Bayern ist das beispielsweise der Großraum Hannover. Noch mehr und eng zusammenliegende großflächige Hindernisse befinden sich jedoch im Bereich der Luftlinie nach Baden-Württemberg. Dazu zählen der Ballungsraum Rhein-Main sowie Mittelgebirge wie Vogelsberg, Odenwald oder Spessart, die flächendeckend bewaldet sind“, so die Begründung von Tennet.

„Absolut unverständlich“ ist für Steffen Harzer, dass kein einziges Wort über den Hainich, das Biosphärenreservat Rhön oder den Thüringer Wald dort zu lesen ist. Die Regionen werden nicht erwähnt und auch nicht berücksichtigt. „Entweder ist das eine fahrlässige Nachlässigkeit von Tennet, die sich nicht ausreichend mit dem Korridor in Thüringen befasst hat, oder es ist eine böswillige Nichtbeachtung der Interessen der hier lebenden Menschen und der Natur.“

Steffen Harzer ist der festen Überzeugung, dass diese Varianten nicht umsetzbar sind und dass auch durch den Technikeinsatz bei einer Erdverkabelung ein nachhaltiger Schaden in Thüringen entstünde. Ziel des Vorhabens sei, die Energieversorgung in Baden-Württemberg und Bayern zu sichern. Harzer weist darauf hin, dass der von 50 Hertz geplante Korridor des Süd/Ost-Links durch Ostthüringen führen soll.

Wichtiger wäre nach Auffassung der Linksfraktion, die Energieversorgung regional und dezentral zu organisieren und dort, wo der Strom verbraucht wird, auch die entsprechenden Erzeugerkapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien aufzubauen. Harzer weiter: „Dazu wäre es aber auch erforderlich, dass die bayrische Landesregierung endlich ihre Blockadehaltung aufgibt und in die Zukunft investiert!“ Auch die unzureichende Entwicklung der Speichertechnologie Power to Gas müsse endlich beendet werden. „Hierfür müssen großtechnische Anlagen entwickelt werden, die den im Norden erzeugten Strom über das bestehende Gasnetz dorthin transportieren, wo er gebraucht wird“, so Harzer.