Lauinger: Schwere Fehler machten Flucht möglich

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Nach ersten Gesprächen zu den Hintergründen der vorübergehenden Entweichung von drei Gefangenen aus der Jugendstrafanstalt (JSA) Arnstadt deutet alles darauf hin, dass schwere Fehler der diensthabenden Beamten die Flucht ermöglicht haben, heißt es in einer Mitteilung des Justizministeriums.

„Die Technik hat nach jetzigem Stand einwandfrei funktioniert, das Sicherheitskonzept ist schlüssig. Ein entscheidender Faktor versagte jedoch: der Mensch“, sagt Justizminister Dieter Lauinger (Grüne). „Alarmmeldungen und Dienstvorschriften wurden offenbar auf das Gröbste missachtet. Ansonsten wäre die Flucht nicht möglich gewesen.“ Aufgrund der bislang bekannten Fakten wurden gegen verschiedene Mitarbeiter der JSA disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet.

Die erste Analyse des Vorfalles habe ergeben, dass die Sicherheitsanlage mehrfach und lang anhaltend Alarm schlug, als ein Gefangener sich am vorgelagerten Sicherheitszaun zu schaffen machte. Darauf wurde vom diensthabenden Beamten in der Einsatzzentrale ebenso wenig reagiert, wie auf Kamerabilder, die sämtliche Vorbereitungshandlungen und den gesamten Fluchthergang in allen Details zeigen. Unter anderem sei deutlich zu erkennen gewesen, dass zur Vorbereitung der Flucht ein Loch in den Zaun geschnitten wurde.

Dafür benutzte der Gefangene einen Bolzenschneider, der eigentlich unter Verschluss aufzubewahren ist und nur unter Aufsicht und zu Arbeitszwecken verwendet werden darf, schreibt das Justizministerium weiter. Ebenso hätten die Gefangenen bei Beachtung der Dienstvorschriften unter keinen Umständen in den Besitz der Leiter und des Seils gelangen dürfen.

Die Ermittlungen zum Hergang der Entweichung laufen weiter. Gestern machten sich Beamte des TMMJV in der JSA Arnstadt ein Bild der Lage vor Ort. Weitere Maßnahmen werden geprüft. „Wir werden uns auch Anlagen und Sicherheitskonzept noch einmal genau ansehen, auch wenn es in diesen Punkten wohl keine Probleme gab“, sagt Lauinger. „Noch wichtiger aber ist es, das individuelle Verhalten der beteiligten Beamten genau auszuwerten. Solche gravierenden Fehler dürfen im Justizvollzug nicht passieren.“