Kommentar: Reden ist Gold!

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Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell

Nein, Lieschen Müller muss nicht mit ihrem Nachbarn reden. Und die Gewerkschaft der Polizei muss auch nicht mit dem Thüringer AfD-Chef reden. Aber was wäre, wenn Lieschen Müller mit dem ganzen Dorf kein Wort mehr wechselt? Nur, weil der Nachbar (vermeintlich oder nicht) dummes Zeug redet. Was, wenn dieses Beispiel Schule macht?

Was ist unsere Demokratie wert, wenn wir alle sprachlos werden? Ein schlimmes Wort ist schnell dahergesagt: Sippenhaft. Aber verdammen wir gleich den Autokonzern in Gänze, nur weil wir ein Montags-Auto erwischt haben? Wird die CDU in Bausch und Bogen verdammt, nur weil Angela Merkel die Vorsitzende ist? Wird die Linke in Gänze verteufelt, nur weil sich an ihr auch ein “schwarzer Block” wärmt? Sind gleichsam alle Sozialdemokraten meschugge, nur weil man Martin Schulz nicht für die hellste Kerze auf der deutschen Politiktorte hält? (Bitte Liste beliebig fortsetzen!)

ACAB – all cops are bastards. Zu recht empören sich Polizisten über diese vier Buchstaben. Zu recht empören sich Menschen darüber, dass inzwischen (zu) viel über einen Kamm geschoren wird.

Nein, man muss nicht in jedes Autohaus gehen. Man muss nicht jeden Politiker mögen. Man darf auch einzelne Polizisten zutiefst unsympathisch finden. Auch Frau Merkel muss man nicht lieben. Man darf auch gern einzelne Politiker für Vollpfosten halten. Aber deswegen gleich das Wörtchen “die” benutzen? Immer alle in einen Sack und “feste druff”? Einer für alle?

Nein! Es trifft stets die Falschen! Auch jede noch so große Gruppe besteht aus Individuen! Wer gern Toleranz einfordert, ist gefordert, selbige auch zu gewähren. Wer sich für Differenzierung ausspricht – z. B. bei Zuwanderern sehr unterschiedlicher Couleur – sollte dies dann bei “denen, die schon länger hier sind” nicht vergessen. Wer keinen Generalverdacht wünscht, sollte auch einen solchen nicht auf die Tagesordnung setzen.

Ich hätte mir auf eine sachliche Frage eine sachliche Antwort gewünscht. Und ich hätte mir ebenso gewünscht, dass der Fragesteller sich nicht in den Schmollwinkel zurückzieht. Wahl-“kämpfen” geht so nicht. Souverän geht übrigens in beiden Fällen anders.

Für alle, die nicht in Wöhlsdorf dabei waren: Reden ist Gold, nicht Silber. Auch dann, wenn sich bei manchem Gesprächs”partner” die Faust in der Hosentasche von selbst ballt. Es ist allemal besser, einander aufs Maul zu schauen als zu hauen!

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Andreas Kühn

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