Halali auf der Straße

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Gerade im Herbst suchen Wildtiere wie Rot-, Reh- oder Schwarzwild neue Einstände im Wald auf, weil die Felder abgeerntet sind und weder Futter noch Sichtschutz bieten. Zwangsläufig nimmt der Wildwechsel auf Thüringens Straßen zu. Überhöhte Wildbestände, insbesondere beim Schwarzwild, lassen die Wahrscheinlichkeit von Wildunfällen, trotz stagnierendem Verkehrsaufkommen, weiter steigen. Deshalb raten die Wildexperten der Thüringer Landesforstanstalt Autofahrern jetzt, speziell in den Morgen- und Abendstunden Straßen durch Waldgebiete und an Wald-Feld-Grenzen vorsichtig zu befahren. Wenn Wild auf oder an der Straße zu sehen ist: Kontrolliert abbremsen, hupen und abblenden. Achtung: Wo ein Wildtier die Straße überquert, folgen oft weitere nach!

Die Wildunfallzahlen (aktuelles Jagdjahr 2016/17) in Thüringen liegen mit 5.798 Stück leicht über dem Vorjahr mit 5.456 Stück. Die Forstexperten führen dies im Wesentlichen auf die natürlichen Schwankungen in der Wildbestandshöhe zurück, da das Verkehrsaufkommen im Freistaat in den letzten Jahren relativ stabil blieb. Berücksichtigt werden muss weiter, dass die tatsächlichen Wildunfallzahlen höher liegen, da Vögel, Hasen, Füchse und auch Waschbären in der Statistik nicht dargestellt werden. Ein Wildunfall verursacht im Durchschnitt einen Versicherungsschaden in Höhe von rund 2.500 €. Nach Glasschäden inzwischen die zweitwichtigste Schadensursache in der Teilkasko für die Versicherer.

„Umsichtige Autofahrer, die bei dem Verkehrswarnschild Wildwechsel insbesondere in den Dämmerungsstunden das Tempo reduzieren und bremsbereit sind, können Wildunfälle wirksam reduzieren“ so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Aber auch die Jäger können durch eine intensive Bejagung der Flächen entlang gefährdeter Straßen das Wildunfallrisiko vermindern helfen.

Was aber tun, wenn es doch zu einem Wildunfall gekommen ist? Die Förster empfehlen: Ruhe bewahren und Polizei oder den Jagdausübungsberechtigten, i. d. R. der örtliche Jagdpächter, rufen. Ist das Tier verendet, einfach warten bis die Polizei eintrifft. Ist das Tier hingegen verletzt und immobil, keinesfalls das Wild durch Streicheln oder Zureden zu beruhigen versuchen. Das Wildtier kann in Panik beißen, um sich treten oder mit dem Gehörn schlagen. Ziehen Sie sich zurück und warten Sie in einigem Abstand. „Bitte fahren Sie nicht einfach weiter“, mahnt Gebhardt.

Durch Unfälle getötetes Wild muss durch die Gemeinden oder die Straßenbauverwaltung entsorgt werden. In der Regel wird dies aber durch den zuständigen Jagdpächter kostenlos erledigt. Im Schnitt fallen hierbei rund 100 € für Transport, Lagerung und Gebühren für die Tierkörperbeseitigung an. Diese Kosten ersparen die Jäger dem Steuerzahler.

Foto: Dr. Horst Sproßmann

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