Haben Linke in Eisenach rechte Phantome gesichtet?

Allgemein, dies & das, Thüringen

Die Polizei Eisenach ist am gestrigen Abend zum Veranstaltungsort einer Buchlesung im Jugend- und Abgeordnetenbüro RosaLuXX der linken Landtagsabgeordneten Kati Engel in der Georgenstraße geschickt worden. Ein Anrufer hatte mitgeteilt, dass sich vor dem Gebäude Personen der rechten Szene aufhalten sollen. Es erfolgte sofort ein großer Polizeieinsatz mit mehreren Funkstreifenwagen. Eine solche Personengruppe wurde weder dort noch sonstwo im gesamten Stadtgebiet Eisenach von der Polizei festgestellt. In ersten Befragungen wurde bekannt, dass in etwa 20 bis 30 Meter Entfernung etwa zehn schwarz gekleidete Personen gestanden haben sollen. Die Personengruppe wurde dem rechten Spektrum zugeordnet, ohne dass die Teilnehmer der Buchlesung
dies an konkreten Handlungen oder Bekleidung festmachen konnten. Die Besucher gaben auch an, dass es zu keinen Handlungen oder Äußerungen aus dieser Personengruppe heraus gekommen sei. Es wurde nicht versucht, in die Räumlichkeiten der Buchlesung einzudringen. Der Veranstaltungsort wurde bis zum Ende der Buchlesung von Polizeikräften gesichert und das Stadtgebiet Eisenach kontinuierlich bestreift.

Laut Polizei sind derzeit keine verwertbaren Zeugenaussagen vorhanden. Daher sucht die Polizei dringend Zeugen, um den Vorfall aufklären zu können. Hinweise bitte an die PI Eisenach, Tel. 03691/261124.

So weit die Polizei. Aus Sicht der linken MdL Kati Engel lesen sich die Ereignisse so:

Am Donnerstagabend las Sören Kohlhuber im Jugend- und Wahlkreisbüro „RosaLuxx.“ aus seinem aktuellen Buch „Retrofieber – Wenn Neonazis die ostdeutschen Straßen zurückerobern“. Dieser Veranstaltung wohnten etwa 40 Gäste bei. Kurz vor Ende der Lesung versuchten etwa zehn, zum Teil vermummte, Neonazis diese Veranstaltung anzugreifen. Seit dem gescheiterten NPD-Verbotsverfahren zeigt sich gerade die Eisenacher Neonazi-Szene wieder aggressiver, die Übergriffszahlen steigen hier seit Monaten. Der versuchte Angriff am Donnerstagabend auf die Lesung im Wahlkreisbüro stellt einen neuen Höhepunkt der Gewaltspirale dar.
„Ich bin schockiert, dass es kaum noch möglich ist, eine kritische Veranstaltung über Neonazis durchzuführen, ohne Übergriffe von diesen befürchten zu müssen“, sagt die Landtagsabgeordnete Kati Engel. Dass es bei diesem Übergriff nicht zu Verletzten gekommen ist, ist nur dem schnellen Agieren von Anwesenden zu verdanken, die den Eingangsbereich und somit die im Büro anwesenden BesucherInnen vor dem Angriff schützten.