Gewalt gegen Lehrer darf kein Tabuthema sein

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„Übergriffe gegen Vertreter des Staates sind keine Bagatelle. Sie zeugen von mangelndem Respekt vor staatlichen Institutionen und müssen konsequent geahndet werden.“ Mit diesen Worten hat der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, die heute vorgestellte Umfrage des Thüringer Lehrerverbandes zum Thema „Gewalt gegen Lehrer“ kommentiert.

Tischner sieht die Landesregierung in der Pflicht, Lehrern den Rücken zu stärken und sie zu ermutigen, offen über derartige Vorfälle zu sprechen und diese ihren Vorgesetzten auch zu melden. „Die gestiegenen Fallzahlen in der Statistik weisen darauf hin, dass in den Lehrerzimmern ein Umdenken einsetzt. Dennoch trauen sich viele Lehrer nicht, offen über Gewaltvorfälle zu sprechen. Gewalt gegen Lehrer darf aber kein Tabuthema sein“, erklärte der Bildungspolitiker.

Der Thüringer Lehrerverband hatte in den letzten Wochen Pädagogen in Thüringen zur Thematik befragt (Link zum Lehrerverband). Die Ergebnisse lassen den eindeutigen Schluss zu, dass die tatsächliche Zahl der Fälle deutlich höher ist, als es die Zahlen des Bildungsministeriums belegen. „Die Umfrage zeigt deutlich: Gewalt an Schulen ist weiterhin ein massives Problem und die Dunkelziffer bleibt hoch“, verwies Tischner auf die Umfrage-Ergebnisse, wonach jeder dritte Lehrer (34 Prozent) angab, in den letzten 18 Monaten selbst Opfer von Gewalt geworden zu sein. „Deshalb muss die Landesregierung den Lehrern Mut machen, wirklich alle Vorfälle zu melden, damit wir ein noch deutlicheres Bild vom Ausmaß des Problems gewinnen. Nur wenn wir die Lage an unseren Schulen genau einschätzen können, lassen sich auch geeignete Strategien entwerfen, um dieser fatalen Entwicklung zielgerichtet entgegenzuwirken“, so der CDU-Politiker.

Tischner bedauerte, dass eine Bundesratsinitiative, die härtere Strafen bei Angriffen auf Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte vorsieht, nicht auf alle Amtsträger, also etwa auch Lehrer, erweitert wurde. Eine Empfehlung aus den Bundesrats-Ausschüssen und eine Initiative aus Nordrhein-Westfahlen hatte dies so vorgesehen. „Nicht nur der Widerstand gegenüber Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften hat in den letzten Jahren zugenommen, auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in und aus vielen anderen Bereichen sind vermehrt betroffen“, machte der CDU-Politiker deutlich. Gewalt gegen Lehrer als Problem zu erkennen und ihr entschieden entgegenzutreten, sei allerdings auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zeigte sich Tischner überzeugt: „Aus unserer Sicht ist vor allem die Verrohung der Sprache in unserer Gesellschaft ein zentraler Katalysator. Durch sie sinkt die Hemmschwelle für verbale und letztlich auch für körperliche Attacken – sowohl von Schülern untereinander, als auch gegenüber Lehrern.“ Hier, so Tischner abschließend, seien auch die Elternhäuser gefragt, ihren Kindern Respekt und Anstand im persönlichen Umgang vorzuleben.

Wiebke Muhsal, bildungspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion: „Dieser traurige Zustand an unseren Schulen darf nicht Normalität werden. Beleidigungen, Angriffe und Bedrohungen gehören nicht an Schulen! Wir dürfen uns daran niemals gewöhnen und müssen endlich die notwendigen politischen Konsequenzen daraus ziehen. Das heißt zuallerst, dass eine Kultur, in der Lehrer Respekt einfordern können und notfalls auch durchsetzen dürfen, politisch und gesellschaftlich unterstützt werden muss. Lehrer müssen die Sicherheit haben, dass sie im Falle von begründeten Disziplinarmaßnahmen genügend Rückhalt haben und nicht selbst in die Schusslinie geraten.

Lehrer als positive Autoritäten sind wichtig für den dauerhaften Schul- und Lebenserfolg der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Das heißt: Lehrer müssen loben, wo gesellschaftsadäquates Verhalten an den Tag gelegt wird. Sie müssen Tadeln dürfen, wo unadäquates Verhalten an den Tag gelegt wird. Und sie müssen Vorbild sein.“​

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