Elefantöse im Porzellanladen

Allgemein, Ansichten, Debatte

Ein dutzend Tage sind seit dem Wahlabend vergangen – und die CDU setzt ihren im September 2015 begonnenen Polterabend mit dem eigenen Markenporzellan unvermindert fort. Angela Merkel denkt überhaupt nicht daran, einen Stahlbesen zu nehmen, um den riesigen Scherbenhaufen wegzukehren. Satt dessen geht sie trotzig in die Schatzkammer und wirft obenauf das Tafelsilber ihrer Partei. Der Kompromiss mit dem angeschlagenen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer war dann auch ein Satz mit “x” – nix! Damit beruhigt man nicht einmal die schlichten Gemüter im eigenen Laden (die klar Denkenden ohnehin nicht). Von davongelaufenen Wählern einmal ganz zu schweigen.

Statt das eigentliche Übel (massenhafte illegale Zuwanderung gewaltaffiner junger Männer mit massenhaft ungeklärter Identität) bei den Wurzeln zu packen, üben sich CDU-Granden seit Tagen auf Nebenkriegschauplätzen und in einem trotzigen “weiter so”. Dass die Kanzlerin konstatierte, sie wisse nicht, was anders gemacht werden sollte, ist weniger ein Fausthieb ins Gesicht derer, die sie nicht gewählt haben. Die haben nie etwas anders erwartet. Es ist statt dessen ekeliger Auswurf, den Merkel ihren eigenen Mitgliedern verächtlich vor die Füße spuckt.

Nur noch ein müdes Lächeln überkommt Nicht-CDU-Wähler, wenn sich die Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts und Sachsens zu Wort melden: Zwei psychisch labile Opportunisten in der Selbsthilfegruppe könnte eine mögliche Diagnose lauten. Thüringens Oppositionsführer Mike Mohring hat richtig erkannt, dass ein Rechtsschwenk die Union derzeit nicht retten kann. Gleichwohl der Heimat-Schwenk richtig und wichtig ist: Das ist momentan nicht die wichtigste Baustelle zwischen Flensburg und Zugspitze. Lerneffekt geht anders. Eine Ansage, wie man es hinbekommt, dass größere Volksfeste ohne zusätzliche Sicherheitsdienste und Betonsperren auskommen, wäre hilfreicher gewesen.

So verkündet Volker Kauder allen Ernstes, dass man nun die Förderung ländlicher Gebiete zum zentralen Thema der Koalitionsverhandlungen machen werde. Der Wahlerfolg der AfD habe mit dem dort „verbreiteten Gefühl“ zu tun „mehr und mehr abgehängt zu werden“. Das ist so als würde man bei einem Orkan den Teebeutel problematisieren, weil der ja auch nass sei.
Wolfram Weimer

Selbst die Junge Union brachte es nicht fertig, sich als Schnelle Eingreiftruppe ins Spiel zu bringen. Statt dessen: Fußlahme und Wiederkäuer. Da haben politisch nur mäßig Begabte, aber sehr talentierte Zuchtmeister wie Peter Altmaier und Volker Kauder im Vorfeld wirklich ganze Arbeit geleistet. Wer jetzt noch „muttiviert“ ist, sollte sein politisches Urteilsvermögen dringend auf den Prüfstand stellen.

Die Botschaft an Nichtwähler und Nicht-CDU-Wähler aus dem Kanzleramt lautet unverhohlen: Wir haben nichts, aber auch gar nichts verstanden! Nicht ausgeschlossen, dass es noch an diesem Sonntag dafür die Quittung in Hannover gibt.

Andreas Kühn

Schreibe einen Kommentar