Der Scheiss-Stammtisch

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Von Thilo Schneider – Nizza, Reutlingen, Ansbach … Menschen mit Schusswaffen, Macheten und Sprengstoff, denen es hier nicht hübsch genug war. Die „zu wenig Aufmerksamkeit“ hatten, die „diskriminiert“ wurden, die „gemobbt“ wurden, die ganz viele Gründe hatten, auf ihre Mitmenschen – ziemlich exakt die Menschen, die für ihren Lebensunterhalt aufkommen, loszugehen. Und die Hauptsorge der Medien und derer, die vor Jahresfrist alles, was zwei Beine und keine deutsche Staatsbürgerschaft hatte, mit einem Trommelfeuer aus Plüschtieren beworfen haben, ist, „dass das nicht „von rechts“ instrumentalisiert wird“.

Der Stammtisch, die dumme Sau, die ja keine Ahnung von hoher Politik hat und deswegen schön bitte die Fresse halten soll, wenn die Willkommensfähnchen ausgepackt werden, der Stammtisch, der lieber nicht in Volksabstimmungen über wesentliche Fragen befragt werden soll, weil er saublöd ist, dieser Stammtisch hat vor Jahresfrist schon darum gebeten, sich die Leute anzuschauen, die in dieses Land kommen. „Geht nicht“ hat man dem Stammtisch erklärt. „Wir können unsere Grenzen nicht sichern“ hat man dem Stammtisch erklärt. „Das ist herzlos“ hat man dem Stammtisch erklärt. „Wir schaffen das“ hat man dem Stammtisch erklärt.

Und jetzt? Jetzt, nach Köln, Reutlingen und Ansbach beeilen sich die Politik und Medien, zu erklären, dass die entsprechenden Übergriffe ja nur Einzeltaten geistig Verwirrter seien, nichts aber auch wirklich gar nichts damit zu tun haben, dass der Staat seiner elementarsten Aufgabe der inneren und äußeren Sicherheit in eklatantester Weise nicht nachgekommen ist. Dass der Staat seinen Grundpflichten nicht nachkommt, flankiert von den ewig gleichen Bürgerhassern, die sich die Welt schön schwätzen und alles vergöttern, solange es nur irgendwie von jenseits der deutschen Grenzen kommt. Alles Andere ist auch irgendwie Nazi.

Der Stammtisch – das Gros der Bevölkerung, das von 9 bis 18 Uhr seinen Lebensunterhalt verdient, von dem ihm dieser Staat mehr als die Hälfte wieder abknöpft, hat nichts gegen Ausländer oder Flüchtlinge. Dem Stammtisch ist es auch scheissegal, ob der Nachbar aus Syrien, Marokko oder Sonstwoheristan stammt, solange der Neunachbar ihn in Frieden lässt und weder ihn noch seine Familie mit dem eigenen Schmonzes belästigt. Ein „Grüß Gott“ im Treppenhaus und das Erledigen der Hausordnung genügen ihm, dem Stammtisch. Solange er sich drauf verlassen kann, dass ihn sein Nachbar nicht tötet, weil er gerade einen schlechten Tag hat.

Und dieses Grund- und Urvertrauen in den Staat wurde nachhaltig ge-, wenn nicht gar zerstört. Nicht durch die Täter oder ihre Taten. Sondern durch die, die diese Taten relativieren, kleinreden, negieren, wegsehen, weglügen und den Stammtisch als ängstlich und kleinlich und irgendwie Nazi beschimpfen. Hilflos und ohne überhaupt gefragt worden zu sein, muss der Stammtisch zusehen, wie sich sein Lebensumfeld verändert, wie all das, was ihm wichtig, lieb und teuer war, unter dem Deckmantel der Toleranz in den Schmutz oder sogar den Tod gezogen wird.
Sexuelle Übergriffe aus Mobs heraus? Na und? Auf dem Oktoberfest gabs auch Vergewaltigungen und so mancher Chef greift auch der Sekretärin an den Hintern. Typen, die weissgott woher sie sie haben, mit Macheten durch die Gegend rennen? Hey, Dein Bruder, Deine Schwester, Deine Kinder hätten auch bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen können. Ein Arschloch mit einem Sprengrucksack? Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, ist höher.

All dies hat der Stammtisch, die Nazisau, gefälligst hinzunehmen. Das sind eben Kollateralschäden der Willkommenskultur. Das kann schon mal passieren, bei zwei Millionen Leuten, die nur rudimentär registriert ins Land kommen. Das soll er mal nicht so eng sehen, der blöde Stammtisch. Sich nicht so anstellen. Und gefälligst in vier Jahren ganz dringend wieder die wählen, die ihm das eingebrockt haben. Die kennen sich aus. Die wissen schon, was gut für ihn ist.

Gehört halt zum Lebensrisiko dazu, von irgendeinem Deppen, der hier am Donnerstag aus dem Zug gestiegen ist, an Leib und Leben bedroht zu werden. Also: Ball flach halten, elender Hetzer, sonst tritt Dir die Moralpolizei die Türe ein. Etwas gegen Regierung und Staat sagen! Freche Forderungen nach Sicherheit stellen! So weit kommt’s noch. In einem Land, in dem in der Kneipe nicht geraucht werden darf, weil die Bedienung mit 70 einen Krebs kriegen könnte. In einigen Bereichen sorgt der Staat dann doch wieder für Sicherheit. Alles ist gut.

Thilo SchneiderThilo Schneider ist Gewinner mehrerer Poetry-Slams, fester Bestandteil des „Schwarzen Sonntags“ in Aschaffenburg, gleichzeitig Ghostwriter von Comedy-Sendungen und Comedians, schreibt gelegentlich auch Politiker-Reden. Als Broterwerb ist der Versicherungsfachwirt auf diese Tätigkeit nicht angewiesen. Sonst wäre aus ihm schon längst einer der Stars der Comedy-Szene geworden.

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