Der andere Jahresrückblick der Polizei

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Der etwas andere Jahresrückblick der Polizei, zusammengetragen in der Landespolizeiinspektion Gotha:

Nur wenige Tage nach Neujahr muss in Gotha jemand unter einem heftigen Schnupfen gelitten haben. Abhilfe erhoffte sich der Kranke vermutlich mit dem Diebstahl einer riesigen Nasensprayflasche. Selbige bestand aus Pappe und war als Werbemittel an einem Auto angebracht.

Im Januar wurde eine junge Frau in Friedrichroda mit ihrem Liebsten beim Liebesspiel in einem Auto von Polizeibeamten überrascht. Die junge Frau „entschuldigte sich bei den Beamten für den ihr peinlichen Vorfall und versprach, keine weiteren sexuellen Handlungen in der Öffentlichkeit durchzuführen“. Einige Wochen später war ein anderes Pärchen „dabei“, als sich Polizeibeamte anschickten das Fahrzeug zu kontrollieren. Die beiden reagierten nicht so verschämt wie das Pärchen zuvor. Es verbat sich die Störung.

Ein unbekannter Verehrer hat eine junge Frau zur einer Anzeige veranlasst. Sie hatte sich über das 5 cm große Herz, dass im Lack ihres Fahrzeuges eingeritzt war, nicht wirklich gefreut.

Die Blitzanlage in der Ohrdrufer Straße sorgte im Januar bei minus 10 Grad Celsius für heftige Verwirrung bei den Kollegen. Dort wurde Nachts um 02.50 Uhr ein Radfahrer kontrolliert, der Funkwagen stand am rechten Fahrbahnrand, die Beamten und der Radfahrer hielten sich auf dem Fußweg auf. Kein anderes Auto weit und breit, als plötzlich der Blitzer mit Rotlicht auslöste. Fragt sich nur, ob das Gerät auch sog. UFOs erfassen kann.

Nostalgischen Hintergrund hatte die „Benzinvernichtungsfahrt“ eines Mannes, der früher mal in Molschleben gewohnt hat. Er fuhr ziellos durch den Ort, um Kindheitserinnerungen wachzurufen.

Bei einer Geschwindigkeitsmessung in einer Februarnacht erlebten die Beamten den Aufprall eines Koffers auf den geparkten und unbesetzten Funkstreifenwagen. Der Koffer hing an der Hand eines Mannes, der so betrunken war, dass er nicht mehr geradeaus laufen konnte. Nachdem der Koffer gegen das Heck geknallt war, erboste sich der Mann, dass ihm der Funkstreifenwagen im Weg stand.

Bei der Polizei in Saalfeld meldete ein Mann einen Wildunfall, den er bei Dachwig hatte. Irritiert war die Autorin über den Vermerk: nicht pressefrei. Also bei den Kollegen Pressestelle in Saalfeld nachgefragt. Die Antwort sorgte für überraschende Aufklärung: „Gibt keinen Grund, außer dass der Fuchs besoffen war und nicht mit einem Unfall in Zusammenhang gebracht werden will. Frau Elster weiß nämlich noch nichts davon und zieht ihm dann das Fell über die Ohren.“

Geübt im Umgang mit der Polizei war ein junger Mann, der seinem Kumpel sein Fahrzeug lieh. Er ermahnte seinen Freund, bei Erkennen eines Funkstreifenwagens sofort anzuhalten und sich kontrollieren zu lassen. Und genau das tat er auch.

Streitigkeiten zu schlichten gehört zum dienstlichen Alltag. Mutter und Sohn gerieten in eine lautstarke Streiterei, woraufhin ein Nachbar Alarm schlug. Der Sohn hatte sich ereifert, weil seine Mutter den WLAN-Zugang gesperrt hatte.

Wenn die Streiterei in Handgreiflichkeiten ausartet, kann es vorkommen, dass Gegenstände zum Schlagen benutzt werden. Als ein absolut untypisches Tatmittel kam in Gotha ein Schnitzel zum Einsatz. Nicht überliefert war der Zubereitungszustand der Fleischware.

Feucht-fröhlich und vor allem übermütig ging der Junggesellenabschied für zwei Männer zu Ende. Gegen Morgen fuhr der eine den anderen in einem Einkaufswagen direkt vor der Polizeidienststelle in Gotha spazieren.

Starke Müdigkeit überfiel einen jungen Polen, der am Abend in einer Gaststätte auf der Toilette eingeschlafen war. Als er am nächsten Morgen erwachte, waren alle Türen verschlossen, weswegen die Feuerwehr zur Türöffnung gebeten wurde.

Den Status „Stammkunde“ hat ein junger Gothaer, der mit konstanter Regelmäßigkeit die Aufmerksamkeit besorgter Bürger und damit später der Polizei auf sich zieht. An einem Tag im April sorgte der Mann für drei Einsätze an drei unterschiedlichen Orten. Beim ersten Mal spendierte jemand eine Decke, damit der Betrunkene nicht friert.

Beim zweiten Kontakt hatte er sich neben der Straße zum Schlafen niedergelassen. Beim dritten Mal war er dann wieder soweit klar im Kopf, dass er nach dem Weckruf der Beamten von allein den Heimweg antreten konnte.

Ein anderer Mann mit ähnlichem Bekanntheitsgrad sorgt immer wieder im Vorraum eines Kreditinstitutes für „ein überwältigendes Geruchserlebnis“. Und regelmäßig wird er vor die Tür gesetzt.

Merkwürdige Fahrweisen lassen oftmals Alkohol am Steuer vermuten. Dass aber eine Erkältung Einfluss auf das Fahrverhalten haben kann, überraschte die Kollegen im Oktober auf der B 7. Da wurde ein Fahrzeug beobachtet, dessen Fahrweise den Verdacht der Trunkenheitsfahrt aufkommen ließ. Der Fahrer wurde kontrolliert. Der war nüchtern, aber von einem heftigen Schnupfen arg gebeutelt.

Zur Zeit der Rübenernte schaufelte ein Mann bei Molschleben selbige in Säcke, die neben seinem Auto standen. Das durfte er nicht und wurde aus diesem Grund kontrolliert. Er zeigte sofortige Reue: „Ich wollte nur mal eine Rübe klauen. Ich schütte sie wieder aus.“

Bei „komischen Zeichen“ an Laternenmasten vermutete eine Frau sog. Gaunerzinken. Die Polizei sorgte für Aufklärung. Es handelte sich um Hinweiszeichen und Markierungen für eine Schnitzeljagd, die an Halloween stattfinden sollte.

Unzufriedenheit mit einer Dienstleistung veranlassten einen jungen Mann zur Kontaktaufnahme mit der Polizei. Er hatte eine Dame in einer Table Dance Bar für eine Stunde gebucht. Seiner Meinung nach war die Show nach 40 Minuten beendet. Leider gibt es in diesem Etablissement keine Stechuhr, so dass die tatsächliche Dauer der Dienstleistung nicht geprüft werden konnte.

Mit einem geldgierigen Zigarettenautomat hatte es im November ein Mann zu tun. Mit einem 10-Euro Schein wollte er sich Zigaretten ziehen. Hartnäckig hielt der Automat den Schein fest, rückte aber auch keine Kippen raus. Zur Sicherheit informierte der Mann die Polizei, um Zeugen für die Schulden des Automaten zu haben. Die Beamten bestätigten die Geldgierigkeit des Zigarettenautomaten, der den Geldschein trotzdem nicht rausrückte.

Wenn Tiere sprechen könnten, wäre schnell geklärt, warum auf der B 7 in Höhe Freundwarte plötzlich ein Esel auf der Fahrbahn stand. Mutmaßung der Autorin: der Esel war auf den Weg nach Eisenach und wollte sich an der Eselstation der Wartburg bewerben.

Die Kollegen der PI Eisenach erlebten einiges, was zum Kopfschütteln führte. Der Spruch „Schneller als die Polizei erlaubt“ ist nicht frei erfunden. Über Funk kam die Mitteilung eines Kollegen: „wir waren so schnell, dass der Verantwortliche noch gar nichts davon wusste.“ Die Kollegen hatten sich mit einem Arbeitsunfall zu befassen.

Bei der Überprüfung der Personalien einer Ladendiebin brach diese unter dem Vorwand einer Kreislaufstörung im Geschäft zusammen. Zuvor zeigte sie sich nicht geneigt, mit dem Personal zu reden. Nutzte nichts. Im Krankenhaus wurden die Identität der Frau von der Polizei festgestellt.

Mit heruntergelassener Hose wurde ein Mann in der Nähe einer Schule festgestellt. Doch keine strafbare Handlung begründete den unbekleideten Hintern. Der Besitzer des entblößten Körperteiles erklärte, dass ihm auf Grund „zuviel Biertrinkens etwas schwach geworden“ ist. Kinder lernen im Kleinkindalter die richtige Handlungsabfolge, wenn sie zur Toilette müssen. Dieses Wissen war einem 50-Jährigen alkoholbedingt abhanden gekommen. Er versuchte an eine Hauswand zu urinieren, vergaß jedoch die Hose zu öffnen.

Erst gab es einen heftigen Streit, dann setzte es Maulschellen. Sie schlug ihn. Doch er lehnte Strafantrag und Hilfsangebote ab und bekam feuchte Augen. „Seine Liebste solle für immer bei ihm bleiben.“ Ein Zeuge des Geschehens „saß in der trockenen Badewanne und hing seinen Gedanken nach“.

Eine ungewöhnliche Unfallursache machten Polizisten bei einem Unfall in Ifta aus. Ein Suppentopf auf dem Beifahrersitz zog die volle Aufmerksamkeit der Fahrerin auf sich. Das Auto prallte in eine Gartenmauer. Die Suppe war gerettet. Das Auto nicht.

Nach einem Trinkgelage beschwerte sich ein Mann bei der Polizei, dass „man ihm seinen Tabak weggeraucht“ habe.

Bei der Schlichtung einer innerfamiliären, aber lautstark geführten Auseinandersetzung mussten sich die Kollegen Kritik einer Mutter anhören. Sie warf der Polizei vor, dass „diese nicht umgehend eine Lösung für die Probleme der letzten Jahre hat.“ Die Eltern forderten die Beamten auf, ihren 17-jährigen Sohn sofort mitzunehmen. Abgelehnt.

Eine andere Ruhestörung innerhalb einer Familie hatte hingegen einen schönen Anlass: der 9-jährige Sohn war außer Rand und Band, weil er sich auf den bevorstehenden Ausflug ins Lego-Land freute.

Einen umfassenden Gesprächsbedarf hatte ein Mann, der die Dienststelle aufsuchte. Er referierte über die Wichtigkeit des Weltfriedens und dass auch Polizisten Menschen sind. Soweit so gut. Nun kam er zum Grund seines Erscheinens. Der Mann hatte nach einem Zahnarztbesuch Schmerzen und bezichtigte seinen Zahnarzt ein Sadist zu sein. Die Erklärung der Beamten, dass ein Zahnarztbesuch durchaus eine weniger angenehme Unternehmung sein kann, stieß auf taube Ohren. Es konnte kein Konsens hergestellt werden.

Ein kaum zu stillender Hunger auf Süßes und Alkohol muss einem Ladendieb in Creuzburg unterstellt werden. Ungezählte Male betrat der Mann an einem Abend den Laden und klaute Süßigkeiten und Getränke bis die Polizei dem ein Ende setzte. Seine Beute hatte einen Wert von 820 Euro.

Kurios endete die Aufnahme eines Wildunfalles bei Hötzelsroda. Ein Auto stieß mit einem Reh zusammen, der Fahrer öffnete die Beifahrertür, das Tier sprang ins Fahrzeug und suchte dort Schutz. Das Reh saß bis zum Eintreffen eines Jagdpächters im Fußraum des Autos. Der Jägersmann half dem unverletzten Tier in die Freiheit.

Ein Fahrrad war aus dem Bierkeller eines Lokals gestohlen worden. Der Besitzer wunderte sich nun darüber, dass nicht der kostbare Hopfensaft die Begehrlichkeiten des Diebes weckte, sondern sein Drahtesel.

Mitunter muss eine Wohnung geöffnet werden, um eine Lärmquelle zu eliminieren. Auf Klingeln, Klopfen, Rufen reagierte niemand, obwohl es aus der Wohnung lautstark schallte. Eine Richter ordnete die Wohnungsöffnung an, die Polizei fand den Mieter friedlich schlafend neben seinem TV-Gerät, dessen Lautstärke Ohrenschmerzen verursachte.

Auf dem Heimweg versagten einem Mann die Beine, er brach auf der Treppe zusammen. Die Beamten fanden den Mann orientiert vor, keine sichtbaren Anzeichen von Alkoholeinfluss. Dieser äußere Anschein war trügerisch. Er brachte es auf 2,55 Promille.

Amüsantes erlebten auch die Kollegen der PI Arnstadt-Ilmenau. Nach einem Ladendiebstahl mussten die Kollegen mit beiden Tätern reden. Nur die verstanden kein Deutsch. Kreativität war gefragt und so wurden „die polizeilichen Maßnahmen mit Deutsch, Englisch, Händen und Füßen erläutert. Die eingesetzten Beamten haben versucht, es so liebevoll wie möglich rüberzubringen, zumindest die Beamten haben es verstanden.“ Genau!

Bei Baumfällarbeiten bei Ilmenau kam es zu einem Unfall. Waldarbeiter fällten einen „35 cm“ hohen Ahornbaum, der Totholz mit sich riss und einen Arbeiter verletzte. Ob es sich hier um eine noch unbekannte und vor allem robuste Zwergen-Ahornbaumart handelt, ist nach wie vor nicht bekannt.

Scham über einen Ladendiebstahl veranlasste eine ältere Dame zur umgehenden Kontaktaufnahme mit der Polizei. Sie wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Familie oder ihr Bekanntenkreis Wind davon bekommt und erleichterte noch vor der Vorladung ihr Gewissen. Und auf gar keinen Fall wollte sie in die Zeitung kommen!

Tue nichts Gutes, so kann dir nichts Böses widerfahren – dieser Spruch wurde für einen Mann in Geschwenda zur Realität. Erst half er der Polizei bei der Ergreifung eines mit Haftbefehl Gesuchten. Zu dumm nur, dass der Mann mit dem Auto zu jenem Ort fuhr, wohin er kurz zuvor die Beamten geschickt hatte. Er war betrunken und büßte seinen Führerschein ein.

Komplett ausgehebelt hat es einen 31-Jährigen in Arnstadt beim Kontakt mit Polizisten. Die rote Farbe des Haftbefehls sorgte bei ihm für einen völligen Black out – er kippte einfach um.

Im doppelten Sinne einen kapitalen Bock geschossen hat ein Passat-Fahrer bei der Kollision mit einem Reh. Das Tier war tot – das Fahrzeug auch. Sachschaden 20 Tausend Euro.

In der Pressestelle läuft immer der Funk mit, was mitunter recht unterhaltsam sein kann. Da sollte eine Streife im Jonastal prüfen, ob dort wirklich ein Schaf auf der Straße steht. Die Beamten prüften äußerst gewissenhaft – kein Schaf. Über Funk kam dann die Erledigungsmeldung: „Die Bürger sehen manchmal mehr als wirklich ist.“

In Ilmenau wurde ein Auto gemeldet, bei dem andauernd aufgeblendet wird. Bevor die Beamten die Personen im Auto prüften, zogen sie sich diskret zurück. Man wollte beim Liebesspiel nicht stören.

Zum Schmunzeln brachte die Autorin ihre Kollegen während einer Lagebesprechung, ein Fall von Fischwilderei in Ilmenau wurde thematisiert. Die Bemerkung „einer hat die Rute reingehalten“ sorgte für Kopfkino und Gelächter.

An dieser Stelle bedanken wir uns Karin Köhler, Pressesprecherin der LPI Gotha, sowie all ihren Kolleginnen und Kollegen des Inspektionsdienstes Gotha, der PI Eisenach und der PI Arnstadt-Ilmenau, die ihre Erlebnisse akribisch in den Einsatzberichten dokumentierten. Wir wünschen den Damen und Herren in Blau einen stressfreien Dienst zum Jahreswechsel, Gesundheit, Glück und einen Dienstherrn, der 2017 wieder häufiger hinter ihnen stehen möge.