Bundestagskandidat Thomas L. Kemmerich: „Die Politik muss die Verantwortung für sich selbst an die Bürger zurück delegieren!“

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In Thüringen muss man nach dem Markenkern der FDP nicht lange suchen. Denn der hat ein sympathisches Gesicht und einen Namen: Thomas L. Kemmerich, Landesvorsitzender der Freien Demokraten in Thüringen.

Kemmerich lacht gern, ist aber keiner dieser telegenen Dauerlächler, bei deren Anblick einem das Lachen vergeht und unwillkürlich die TV-Fernbedienung von allein wegzappt. Er trägt stets gut sitzende modische Anzüge, aber immer ohne die obligatorische Krawatte geschniegelter konturenloser Oberflächler. Er ist stets moderat im Ton, aber klar und verbindlich in der Ansage. Kemmerich ist kein Schreihals, verschafft sich aber stets Gehör. Er präsentiert sich seit einigen Jahren nur haarlos, aber nie gesichtslos. Der Mann ist ein Netzwerker wie aus dem Bilderbuch, wobei ihm werken wichtiger ist als Netz (womöglich gar samt doppeltem Boden). Kemmerich hat ein Faible für die närrische Zeit, aber närrisch ist er mitnichten. Tierischer Ernst ist ihm wahrlich abhold, andere nimmt er sehr wohl ernst.

Den Thüringer FDP-Spitzenkandidaten zeichnet eine für großgewachsene Politiker seltene Eigenschaft aus: Er begegnet anderen Menschen auf Augenhöhe. Und nicht nur seine Figur zeugt davon, dass dieser Mann keine Diäten braucht. Auch finanziell ist er auf Alimentierung durch ein Abgeordneten-Salär nicht angewiesen. Kurzum: Das krasse Gegenteil dessen, was sich mehrheitlich in deutschen Parlamenten herumtreibt. Doch genau da will er (nach einem Landtagsmandat im Freistaat zwischen 2009 und 2014) hin: Dieses Mal nach Berlin. Kemmerich ist Spitzenkandidat der Thüringer Liberalen und kann sich allen Umfragen zufolge berechtigte Hoffnungen machen, dem 19. Deutschen Bundestag anzugehören.

Mit einem Landsmann, der einst wenige Kilometer von seinem Geburtsort entfernt Bürgermeister war, verbindet ihn politisch nichts. Wenn Kemmerich einst als wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Thüringer Landtag ans Rednerpult trat, griffen die “sozial Gerechten” sofort nach ihren Betablockern. Daran hat sich bis heute nichts geändert. (Da muss der gebürtige Aachener nicht einmal erwähnen, dass Otto Graf Lambsdorff sein politisches Vorbild ist. U. a. wegen seines legendären Spruchs: „Nach meiner Überzeugung wirken wir alle am besten, wenn wir arbeiten, nicht wenn wir reden.“) Thomas L. Kemmerich redet nicht nur gern über Marktwirtschaft, er praktiziert sie tagtäglich. Und das seit Jahren erfolgreich. Zwar ist die Zahl der Filialen der Friseur Masson AG, der er seit ihrer Gründung vorsteht, auf derzeit 24 gesunken (21 Filialen in Thüringen, drei in Berlin – rund 150 Beschäftigte), aber das Unternehmen ist wirtschaftlich kerngesund.

Grundsätzlich geht es Kemmerich und anderen führenden Liberalen in Deutschland darum, die FDP wieder fest in den Parlamenten von Bund und Ländern zu verankern. Deshalb macht Thüringens erster Liberaler auch keinen Hehl daraus, dass er bei der nächsten Landtagswahl 2019 als Spitzenkandidat seiner Partei antreten wird. Sein Bundestagsmandat würde er im Erfolgsfall dann einem Nachrücker überlassen.

Andreas Kühn traf Thomas L. Kemmerich in Weimar, dem Lebensmittelpunkt des FDP-Politikers, und warf ein paar „Knochen“ auf den Tisch, mit der Bitte „Fleisch“ dazuzugeben. Dabei wurde Mineralwasser getrunken, aber nichts verwässert.

Stichwort Digitalisierung:
Kemmerich: Autobahnen zu erhalten, teils auch neu zu bauen, ist wichtig. Doch viel wichtiger sind endlich funktionierende Datenautobahnen! Es kann nicht sein, dass ein Hochtechnologieland wie Deutschland das Schlusslicht des globalen digitalen Zuges bildet. Thüringen verpasst hier viele Chancen und könnte doch – vor allem durch seine zentrale Lage – zu einem wirtschaftlichen Knotenpunkt werden, der Firmen anzieht und zukunftsträchtige Arbeitsplätze schafft.

Stichwort Steuern:
Kemmerich: Vielleicht weniger in Thüringen, wohl aber dort, wo die Wirtschaft richtig gut floriert, wird bereits ein qualifizierter Facharbeiter in der Industrie als Single mit dem Spitzensteuersatz belastet. Dieser sollte frühestens ab 70.000 Euro statt wie bisher ab 53.666 Euro greifen. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Lohn- und Gehaltserhöhungen Jahr für Jahr mehr Arbeitnehmer zu “Spitzenverdienern” stempeln. Auch die sogenannte “Reichensteuer” ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 256.304 Euro bedarf einer Korrektur.

Stichwort Grundeinkommen:
Kemmerich: Wenn wir das unsägliche Wort “bedingungslos” weglassen, bin ich dafür. Die FDP spricht nicht umsonst von einem solidarischen Bürgergeld. Dabei haben wir drei Gruppen im Auge: Heranwachsende, Rentner sowie Arbeitsunfähige aus gesundheitlichen Gründen. Diese Geld sollte antragslos gezahlt werden – das Finanzamt kann Berechtigte mühelos erkennen und prüfen. Das solidarische Bürgergeld sollte das Niveau der Grundsicherung haben.

Stichworte Asyl & Zuwanderung:
Kemmerich: Für politisch Verfolgte nach unserem Asylgesetz kann es keine Obergrenze geben. Es handelt sich aber um den geringsten Anteil, derjenigen die nach Europa gekommen sind. Die Tür für alle jene, die vor Krieg fliehen und denen wir subsidiären Schutz auf Zeit gewähren, muss entsprechend unserer logistischen, sozialen und finanziellen Möglichkeiten offen stehen. Die wichtigsten beiden Türen müssen erst noch gebaut werden. Eine Tür, die weit geöffnet ist für all jene, die als qualifizierte Fachkräfte in unseren Arbeitsmarkt einwandern wollen und die deutsche Sprache ausreichend beherrschen. Schließlich brauchen wir eine Tür mit festen Verankerungen, die dauerhaft für all diejenigen geschlossen bleibt, die nur in unsere Sozialsysteme einwandern oder unsere innere Sicherheit bedrohen wollen.

Stichworte Rechtsstaat, Sicherheit & bürgerliche Freiheiten:
Kemmerich: 1976 hat die FDP einmal plakatiert: “Absolute Sicherheit heißt absolute Unfreiheit. Absolute Freiheit heißt absolute Unsicherheit. Die liberale Position: die richtige Mitte. Und im Konflikte zwischen Sicherheit und Freiheit: in dubio pro libertate. Im Zweifel für die Freiheit.” Das ist aktueller denn je. Hinzu kommt, dass bestehende Gesetze endlich wieder für aller sicht- und erfahrbar exekutiert werden müssen. Und das meine ich nicht in Bezug auf das Eintreiben von “Knöllchen”-Geld! “Ausnahmen” und “Sonderfälle” gefährden den Rechtsfrieden.

Stichwort Eigenverantwortung:

Kemmerich: Die Politik muss die Verantwortung für sich selbst an die Bürger zurück delegieren! Politiker sind gehalten, sich auf die Kernaufgaben des Staates zu beschränken und statt dessen den Bürgern alle Möglichkeiten einräumen, selbst für sich zu sorgen statt sie zu versorgen. Menschen brauchen faire Chancen, kein staatliches Kindermädchen.

Stichwort Bürokratie:
Kemmerich: Ein breites Betätigungsfeld für Liberale! Es gibt so viele alte Zöpfe in Gesetzen und Verordnungen, dass zum Abschneiden die Schere des Frisörs nicht genügt. Wir brauchen eine gründliche Durchforstung. Weniger ist mehr. Und das Wenige bitte so, dass Bürger es auch ohne Juristen verstehen können. Deutschland zukunftsfest zu machen, heißt Bürokratie ab- und nicht weitere aufzubauen.

Stichwort Altersarmut:
Kemmerich: Die Geschichte hat gezeigt, dass der beste Schutz vor Armut im Alter noch immer eine selbstgenutzte eigene Immobilie ist. Deshalb wäre es mehr als hilfreich, wenn im Mieterland Deutschland bei der Grunderwerbssteuer ein Freibetrag von 500.000 Euro eingeführt würde. Weder sollten im Alter zusätzliches Einkommen aus Arbeit noch Erträge aus einer Riesterrente auf die Grundsicherung angerechnet werden.

Stichwort Fußball:
Wenn man neben einer geborenen auch eine gelebte Heimat hat, schlägt das Fußballherz doppelt so hoch. Alemannia Aachen und Rot-Weiß Erfurt. Und als Erfurter Stadtrat werde ich nicht müde werden, zu kritisieren, was da beim Umbau des Steigerwaldstadions abging. Anderswo hat man selbst für weniger Geld deutlich mehr hinbekommen als nur einen Dreiseitenhof. Diese Multifunktionsarena ist kein Ruhmesblatt in der Chronik der Landeshauptstadt.

Thomas L. Kemmerich (52): Landesvorsitzender der FDP Thüringen, Bundesvorsitzender Liberaler Mittelstand, Mitglied im Bundesvorstand der FDP, FDP-Stadtrat Erfurt, verheiratet, sechs Kinder. Seine Antworten auf unseren Fragebogen:

Das wollte ich als Kind gern werden: Unternehmer. Henry Ford oder Adi Dassler haben mich bereits als Kind fasziniert.

Wohin gehen Sie, wenn Sie ganz für sich sein wollen? Ski fahren.

Wie beginnt Ihr Arbeitstag? Mit Zeitungslektüre, zunehmend in digitaler Form.

Wie sieht für Sie ein perfekter freier Tag aus? Zeit für die Familie.

Tee oder Kaffee, Bier oder Wein, Sekt oder Selters? Milch – Bier – Selters.

Was ist für Sie das größte Unglück? Krankheit.

Bitte ergänzen Sie, Thüringen ist für mich: Gelebte Heimat.

Wenn Sie einen persönlichen Wunsch frei hätten: Lange bei guter Gesundheit bleiben.

Was war Ihre bisher größte Leistung? Das mögen andere beurteilen.

Und Ihr bisher größter Fehler? Den zu benennen, überlasse ich auch gern anderen.

Mein großes Ziel ist es: Anderen viel davon zurückzugeben, was ich selbst bekommen durfte.

Was ist Ihre Stärke? Menschlich bleiben und Teamfähigkeit, ohne dabei Ziele aus dem Auge zu verlieren.

Was ist Ihre Schwäche? Jedem stets eine zweite Chance zu geben.

Worüber können Sie sich richtig aufregen? Wenn Politiker glauben, dass Mehrheiten genügen, Gesetze und Vernunft außer Kraft zu setzen.

Wer ist Ihr politisches Vorbild? Otto Graf Lamsdorff

Was war der beste Rat, den Sie je erhalten haben? Nicht reden, machen!

Welchen Ratschlag würden Sie Ihren Kindern geben? Kümmert euch um eine gute Ausbildung!

Was fehlt Ihnen zum Glück? Nichts für mich Wesentliches.

Wofür sind Sie dankbar? Die Lebensleistungen meiner Eltern und meiner Familie.

Mein Lebensmotto: Stets einmal mehr aufstehen als hinfallen.