Bläst Erben den Grünen den Marsch oder schenkt Wernicke ihnen eins ein?

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Stephanie Erben kam als Bundestags-Direktkandidatin in ihrem Wahlkreis jüngst auf 3,4%
Auf eines ist bei den Grünen absolut Verlass: Die Unberechenbarkeit ihrer Basis. Da macht Thüringen keine Ausnahme. Vor zwei Jahren kam bei der Wahl der beiden Landesvorsitzenden unverhofft wieder einmal oft. Am Ende standen überraschend die beiden Rudolstädter Stephanie Erben und Rainer Wernicke hauptamtlich an der Parteispitze. Nicht nur in grünen Kreisen wird wahrgenommen, dass sich beide in herzlicher Abneigung zugetan sind, was der Außenwirkung der Partei nicht gut bekommt. Morgen wird es für die Musikerin und den Bier-Mann ernst. Auf dem Kandidatenkarusell haben weitere Grüne Platz genommen. Neben Denis Peisker (Jena) sind auch die Namen Rica Braune (Weimar) und Christian Ranft (Erfurt) zu hören. Nicht auszuschließen ist, dass sich zu diesem Trio weitere Bewerber gesellen. Fraglich, ob die beiden Rudolstädter den Delegierten unter diesen Umständen den Marsch blasen bzw. eins einschenken können.

Die Ausgangslage zum Parteitag in Arnstadt ist alles andere als rosig. Das jüngste Bundestagswahlergebnis der Thüringer Grünen war – gemessen an der Bundespartei – desaströs: 4,1 Prozent. Nur ein einziges mal (2009) gelang den Grünen im Freistaat der Sprung über die 5-Prozent-Hürde (5,1 Prozent). In der rot-rot-grünen Landesregierung kam die grüne Ministerin Anja Siegesmund bisher über viel Wind nicht hinaus. Minister Dieter Lauinger sorgte wohl mehrfach für Schlagzeilen, wenngleich sie alles andere als positiv waren. Die einzige grüne Bundestagsabgeordnete aus dem Freistaat nimmt derzeit ihren letzten Anlauf, endlich Bundesministerin zu werden. Wenn Jamaika scheitert, scheitert auch Katrin Göring-Eckardt.

Wie auch immer der morgige Tag für die Grünen ausgehen mag: Interessant wird es auf jeden Fall. Für Außenstehende könnte es sogar lustig werden, für grüne Altvordere sogar tragisch.

Andreas Kühn